Neologismus der Woche
10. November 2009
- „Sowas könnten mir keine zehn Pferde erklären“
Anwendung: Um verständlich zu machen, dass man einer ganz bestimmten Lektion/Unterricht über ein ganz bestimmtes Thema ganz bestimmt nicht lauschen möchte — mit anderen Worten, um sein aufrichtiges, durch keinen Koffein-Zucker-Schock zu änderndes Desinteresse gegenüber einem Wissensgebiet auszudrücken.
Über die Knechtschaft des Einschlafenmüssens
31. Oktober 2009
Mal wieder ein Samstagmorgen. Jetzt habe ich diese Schlafstörungen schon seit mehreren Wochen. Wenn ich mit demselben Gefühl aufwachen würde, weswegen ich nicht einzuschlafen vermag, ich hätte wohl den besten Schlafrhythmus, den ich mir wünschen kann.
Alles fängt so harmlos an. Ich lege mich ins Bett und zuerst kommen noch sehr leichte Gedanken, sie geben ein gutes Gefühl, keine Aufregung. Aber langsam nach und nach schleifen die fiesen kleinen Zweifel Kratzer ins harmonische Gedankenbild, werden alsbald zu Überlegungen, die wiederum Aufregung nach sich ziehen und schließlich werden sie schwere Gedankenungetüme, die mich quälen und die ich nur wegschieben kann, indem ich mir sage: es wird schon alles gut gehen. Und wenn nicht, gibt es auch noch Schlimmeres. Dann versuche ich sie wegzudenken und lege mich auf die Seite. Doch mein Körper macht nicht mit. Ruhe und Dunkelheit drücken mich nicht ins Bett. Meine Lider flattern vor Leichtigkeit gleich wieder auf, nachdem ich sie in guter Hoffnung schloss. Dann starre ich ins Schwarzweiß des Zimmers und fühle, wie mein Körper jetzt – genau jetzt – diese Unruhe bekommt, etwas gegen die Probleme zu tun. Zu einer solch unmöglichen Zeit.
Schon eine Stunde nachgedacht. Das geht schnell. Das Nachdenken ist eine Arbeit, welche Wurmlöcher in die Nacht bohrt. Das Grübeln und Spekulieren beschleunigt das Durchschreiten der Intervalle, bis man schließlich doch aufsteht, um sich mit irgendwas müde zu machen.
Verschönerungen des Alltags I – Singend umsteigen
21. Oktober 2009
Der U Bahnhof Fehrbelliner Platz ist nicht gerade dafür bekannt, überirdisch besucht zu werden, nein hier steigt mensch eigentlich nur um und das schön unterirdisch von einer U-Bahn in die nächste. Auf halber Treppe saß dort neulich ein Mann mit einer Quetschkommode und dudelte Bachs Toccata & Fuge in D-Moll (bwv 565). Ich hörte es schon auf dem unteren Bahnsteig, noch bevor ich die Treppe bestieg, war er schon mittendrin und spielte sich ins Delirium, als ich plötzlich Read the rest of this entry »
Bin ich zurück?
3. Oktober 2009
Ich breche die Stille – und hebe den Kugelschreiber, um seine Spitze laut aufs Papier zu drücken. Eine blaue Stichwunde ins makellose Weiß. Nur äußerlich, im Blick, wallt Konsequenz, der Geist war schon zu lang nicht mehr überzeugt von sich und zögert unmerklich die nächste Bewegung hinaus. Denn er kontrolliert zuletzt. So wird aus Stille alsbald Stillstand und damit wieder Stille. Gegen die Stille anzuschreiben war auch kein gutes Motiv. An einem Samstagmorgen um Acht, an dem alle Mitbewohner volltrunken heimkehren, sitze ich hier und gerate in Melancholie. Das Nachdenken sollte sich in meinem Falle auch nie so weit weg vom Picknickplatz in der Gegenwart bewegen. Da draußen im Wald lauern die Ängste. Ich höre sie ja immerfort jaulen. Weiterwandern sollte nicht der Stift auf dem Papier, sondern ich durch den Wald, so festen Willens durch das Unterholz wie ein hysterischer Antichrist.
Antichrist? Das ist Mist!
2. Oktober 2009
Wackelkameras, Ekelszenen, Greuelszenen, Nutzung simpler geradezu archetypischer Symbole – all das sollte ein Gruselfilm, der intelligent sein will übersteigen. Trotz strenger Entlanghangelung an diesem Faden, an dem wohl-dosiert, mal hier, mal dort dieses oder jenes genannte Grundelement aufflackert, schafft es Antichrist noch nicht einmal den Horror im Zuschauer aufkommen zu lassen, den ein gewöhnlicher Film dieses Genres mit einfachster Rezeptur hervorzukitzeln weiß. Lars von Trier will wohl auch nicht so ganz das Genre bedienen und ein Dogma-Film sollte es auch nicht sein, aber auch ein Suspense-Psychothriller oder ein nervenaufreibend spannendes Psychogramm sind hier ebenso gescheitert. Da fragt man sich, was wollte von Trier uns da zeigen? Offenbar sollten wir schaudern, aber das will einfach nicht gelingen, weder wegen noch trotz „Drama“-Rahmung (der Film ist in vier Kapitel eingeteilt, mit Pro- und Epilog) und genausowenig schaffen es die Schreckensszenen, welche die Identifizierungsfigur des Zuschauers (also der Ehemann und Psychotherapeut der Frau, die sich alsbald als „Hexe“ oder „Schwester“, wie sie es nennt, herausstellt) im Wald erlebt, die ihn stutzig und nachdenklich machen – doch die nur lächerlich hineingewürfelt und selten wahrhaft gruselig wirken. Am Ende wird dem Mann klar, dass alles was er für irrational hielt „irgendwie“ doch stimmt. Und Schluss. Jedes Ereignis, das noch so irrational daherkommt, lässt ihn ein bisschen ungläubig und gerade mal nachdenklich schauen. Aber dann ist stets gleich wieder Schluss mit der Szene. Leider gelingt es überhaupt nicht, das Gefühl zu vermitteln, wie es ist, wenn ein Mensch glaubt, langsam wahnsinnig zu werden. – Eigentlich ein beliebtes Thema in „solchen Filmen“, aber in jedem anderen als diesem besser dargestellt!
Ein paar wenige Szenen sind dann aber doch sehenswert, aber hier auch nicht weiter erwähnenswert ;P ich tendiere dazu dem_der Leser_in zu empfehlen, sich das Kinogeld zu sparen und den Film lieber mal irgendwann irgendwo *ächäm* kostenlos zu gucken…
Ich bin enttäuscht, weil ich soviel erwartet habe … an Story, an Grusel, an intelligenten Wendungen. Aber die Story war platt, zum großen Teil nicht sonderlich überraschend, und der Grusel beschränkte sich fast ausschließlich auf einige Greuelszenen, die man sich auch hätte sparen können.
Sarrazin dreht frei
1. Oktober 2009
Erst Westerwelle - dann Sarrazin
…das war doch eine heitere Woche.
Transphobe Arschlöcher in den „eigenen Reihen“
14. September 2009
Traurig. Im größten deutschen schwulen Internetportal beginnt man trans*User zu denunzieren und zu löschen. Die Admins entscheiden, wer denn „männlich“ genug ist, um in der biologistischen und binärgeschlechtlichen Schwulenmainstreamwelt mitzumachen: nämlich wer nach ihrem Gutdünken einen Schwanz hat und wer nicht! Dummheit, Borniertheit und Pseudoliberalität (Nazis dürfen nämlich bleiben!) — zum Kotzen! Die Zeiten der eigenen Diskrimierung sind scheinbar endgültig vergessen, Lehren wurden daraus nicht gezogen. Die Sensibilität für andere diskriminierte Minderheiten stieß auf die Schranken der zynischen, narzistischen Selbstgerechtigkeit.
MEGA statt Media!
4. Juli 2009
Am 11.7.: Auf die Straße und getanzt!
„Geld allein macht nicht glücklich…
2. Juni 2009
…es gehören auch noch Aktien, Gold und Grundstücke dazu.“ (Danny Kaye) Mit diesem Slogan dürfte es gerade schwierig sein, sich hierzuland’ Freund_innen zu machen. Ein Grund mehr, ihn mir auf die Fahne mein Shirt zu schreiben. Du musst den Kapitalismus lieben! Los! Es hat ja alles Vor- und Nachteile — so auch »Er«. Immerhin werden zur Steigerung der Mehrwertrate die Produktivkräfte verwohlfeilert. Was, insofern sie Waren betreffen, die zur Reproduktion unserer Arbeiter_innenseele notwendig sind, zu einer allgemeinen Verbilligigung im LIDL führt. Und das sollte eigentlich immer weiter gehen, gekoppelt mit entsprechenden Lohnkürzungen, sodass wir letztenendes davon eh nix haben. ÄH. Stimmt, klang gerade so, als wollte ich Vorteile auflisten. Aber das war wohl ein Vor-ur-teil. »Seine« emanzipatorischen Fortschritte, die er zum Teil temporär im reichen Nordwesten der Welt hervorbrachte, sind bloße Toleranzen, Epiphänomene, Kollateralglücke im großen Unglück. Mussten aber-hallo! erkämpft werden. Traurig, dass so wenige Menschen genau das lernen.
Die Dinge herrschen. Hätte eben auch Vorteile. Wenn die Konvention tatsächlich überflüssig wäre in ihm. Aber so haben wir den bürgerlichen Ideologie-Salat!
Aufgekritzeltes Aufgekratztsein – ziellos, grundlos
7. März 2009
Schlaflos. Im Bauch ist Krieg oder sowas. Da wühlen Sterne, gieren nach Verwandlung in Kreativität, schnell, schnell noch, bevor sie wieder verglüht sind. Doch, wie anstellen? Meine Hände: schlapp. Mein Kopf: ein einziger Trichter zum Gähnen nach Sauerstoff, wie man sagt, um den Verdacht auf Müdigkeit gleich im Keime zu ersticken. Das Papier, das da schon seit Stunden auf dem Schreibtisch liegt, ist noch immer nur telefonnotizartig bekritzelt. Leergekritzelt… Vielleicht doch lieber ins Bett. Gutenacht.