Vielleicht war es ein Fehler, gestern nacht noch besoffen, wie ich war, jene nervenaufreibenden Seiten Remarque zu lesen, auf denen der Protagonist gerade vom Obersturmbannführer gefoltert wird. Jedenfalls wachte ich nach zwei Stunden schlimmster Alpträumerei auf und wollte glatt kotzen. Ich spürte, wie Magensäure meine Speiseröhre hinaufkletterte und der Schwindel ließ mich das Aufstehen in mehreren bescheidenen Versuchen angehen. Immer noch fühlte ich mich auf eine merkwürdige Art bedroht. Träume, von denen beim Aufwachen nur noch ein Gefühl blieb, hatte ich zur Genüge gehabt. Doch ein verängstigtes Restgefühl in der Magengegend war bis dato noch nie zurückgeblieben. Ich taumelte in Richtung Bad, dann noch ein großer Schluck Wasser – machte allerdings auch kaum was besser. Schließlich bekam ich mich dann doch wieder auf die viel zu weiche und schwankungsreiche Matratze gelegt und das Kotzbedürfnis ließ sich maslowesk unter das Schlafbedürfnis subsummieren. – Da hörte ich die ersten Schreie. Nebenan war also auch schon meine Lieblingsmorgensängerin aufgewacht. Ich hörte geschriene Befehle, die Mama solle endlich kommen, mehrmals und das nicht flehentlich, sondern zornig. Dann sang die kleine Gestapo-Göre wieder Lieder. Ihr heutiges verstand ich textlich leider nicht sehr gut. Dafür kamen die Emotionen fast ungestört lautstark bei mir an und sammelten sich wie in einer Parabolantenne. Wie gerne hätte ich jetzt zurückgefeuert! – Der Gutmensch in mir, der es eher aus Kraftlosigkeit, denn aus Überlegenheitsgefühl hinnehmen wollte, gewann jedoch und so weinte ich mich verzweifelt in den Schlaf.

3 Responses to “Das Obersturmbannführernachbarkind”

  1. thomas Says:

    ich glaube ja mittlerweile fast, dass dieses kindwesen auf irgendeine pathologische art und weise dazu abgerichtet wurde, anderen menschen auf die nerven zu gehen.

    da bedarf es psychologischer kriegsführung!

  2. thomas Says:

    deine flakesuhr geht ja noch nach sommerzeit.
    wie schön!


  3. [...] 2 Stunden im Bett mit dem verdienten Schlaf einer anstrengenden Barschicht. Da schreit es. Das Obersturmbannführernachbarkind schreit von nebenan. Is ja auch Zeit. Es schreibt nicht, nein, es schreit. Könnte mir auch mal [...]


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