Neues von der B.F.V.

29. Januar 2008

Die Bäckereifachverkäuferin antwortete mir erstaunt danach Fragendem, was denn ein Malzbrötchen sei, gewissenhaft: Na so ein Brötchen mit Körnern drauf.

Und sie sollte Recht behalten.

Antipost

19. Januar 2008

Es klingelt an der Tür. A nimmt das Türtelefon ab. (Sozusagen.) (Ist schließlich ein Telefon.) Stimme B brüllt A ins Ohr, weil es ja immer so laut auf der Straße ist, aber nicht in der Wohnung: Die Post – ein Paket. A öffnet die Tür, weil Pakete nicht drunter durch passen. B kommt und sagt, ja, wo ist es denn. A macht puh: Puh. Denkt nach. Schon wieder. Er hat doch erst letzte Woche was verschickt. Und davor. Langsam gehen ihm die Gegenstände aus. Also mal schnell was zusammensuchen.  Klein’  Moment,  sagt  A mit angestrengter Mine und  sucht  Karton und  Inhalt. B meint ungehalten hinterrufen zu müssen: Na nun aber mal hop-hop, das Paket muss heute noch auf der Post sein. Hop-hop, denkt sich A, Inhalt und die eigenen Gedanken zusammensuchend.

Letztere waren schon längst verschickt.

Fernsehstudien III

17. Januar 2008

Hol die Chips raus, jetzt kommen die Tagesthemen.

Diesmal schimpft die aufgebrachte Öffentlichkeit darüber, dass wieder einmal ein ausländisches Unternehmen in Deutschland sein er-heu-schreckendes Unwesen treibt. „Bochum, du bist keine Schönheit, vor Arbeit ganz grau“ dachte sich das Handtelefonie-Unternehmen Nokia, das jetzt damit vielleicht den Einbürgerungstest qua solider Grönemeierkenntnisse bestehen könnte, zöge es diese schlimmen Finnen nicht doch eher nach Rirum-Rarum-Rumänium. So werden also höchstwahrscheinlich die 2300 Bochumer Futtertröge, an denen man gerade noch mästete und melkte, demontiert und ab geht’s nach Osteuropa – aber natürlich über Los und im Vorrübergehen werden 33 Mio. EU-Euros eingezogen. Die Menschen sehen sich entrüstet an, sie schütteln ihre leeren Köpfe, denn sie können es einfach nicht fassen. Sie verstehen nicht, wie man nur so sein kann. Geht es den Unternehmen im Kapitalismus etwa immer nur um Profit??

Es knistert vor Spannung… Es ist die Stelle im Film, wo die Protagonisten kurz davor sind, die Matrix, in die ihr gesamtes armseliges Leben sich bettet, zu bemerken. – Ich schalte besser um. Das kennt man ja. Diese Low-light-Neoliberalismus-Kritiker vermiesen einem nur wieder die Fernsehlust. Weil sie gewiss die unlogischste aller Reaktionen wählen werden und man als Zuschauer vor Wut in die Fernbedienung beißt ob soviel offensichtlicher Blödheit.

Auf dem Regionalsender wütet eine alte Westberlinerin mit einer Gruppe euphorisch für den unterstellten „Volkswillen“ der Berliner_innen engagierter CDU-Anhänger im Rücken gegen die Schließung des innerstädtischen Flughafens Tempelhof: „was hätten wir damals ohne den gemacht?!“ und „wir müssen ja nicht alles drüben im Osten haben“. – Nicht nur die Berliner Luftbrücke scheint die ehemals Eingemauerte noch immer – in den Gelenken oder wo auch immer – fühlen zu können. Auch dass sie seit über achtzehn Jahren schon gar nicht mehr eingemauert ist, was die Notwendigkeit zur Errichtung einer erneuten Luftbrücke sehr unwahrscheinlich macht, scheint die Dauergewellte entweder wenig zu trösten oder sogar nicht einmal zu wissen. Vielleicht handelt es sich aber auch um eine ganz besondere Variante einer pathologischen Angst. Eine Art überdimensionale Klaustrophobie, die zudem auch noch prospektiv wirkt, sozusagen die Angst davor, eventuell wieder eingemauert zu werden. Sicherlich wäre sie dann gut beraten, unbedingt in die Nähe eines nicht so schnell schließenden Flughafens zu ziehen, besser noch: dort einzuziehen. Und was die Mauer angeht: nur weil man etwas nicht (mehr) sieht, heißt es ja schließlich nicht, dass es nicht da ist. Das kennen wir ja schon von Schummelheini Gott oder der Sonnenfinsternis.

- Und aus.

Heute saß ich mit N. im Café Schönefeld, welches die Besonderheit aufweist, dass zu seinen Füßen ein Flughafen liegt. Wie schön gefällt mir doch das schöne Feld da unten, denke ich mir und mustere aufmerksam die kleinen bunt gescheckten Käfer mit den Haifischflossen, die so drollig zwischen Gebäude und Rollbahn herumkrabbeln. „Wir können auch fliegen – guck!“ schiebt N. ihnen in ihre breiten Cockpit-Münder, während einer von ihnen auf der Startbahn beschleunigt, solange bis er aus unseren Gesichtfeldern verschwindet und wir nur noch für ihn hoffen können, dass er abhob, und nicht einfach gerade aus weiter, aus dem Gehege heraus, geflitzt ist…

Wir stellen fest: Während Flugzeuge etwas Niedliches haben, wohnt Zügen die Traurigkeit inne. Züge sind nicht mehr, sie waren mal. Sie rattern, rastlos und entseelt, hin und her, auf ewig verfluchten Geistern gleich.

Auch egal.

Neologismus der Woche

9. Januar 2008

  • sprinken

„Jeder kennt den penetranten Mundgeruch, den man nach Genuss von Knoblauch von sich gibt, aber kaum jemand weiß noch, dass es für diese Mischung aus Sprechen und Stinken einmal das Wort Sprinken gegeben hat. „Ah – diese Lammkoteletts waren zu köstlich!“ sprinkte er – und schon ist man im Bilde, dass diese Figur den halben Roman lang eine Geruchsfahne hinter sich herziehen wird, ohne dass das Wort Knoblauch überhaupt gefallen ist.“

(Walter Moers – „Die Stadt der Träumenden Bücher“)

Meine nicht abreißende Begeisterung für Joy Division ließ mich jüngst eine private Vorführmöglichkeit des Films „Control“ für Gleichgesinnte initiieren. Sibylle und Ale+Who lade ich hiermit herzlichst ein, an einem frei wählbaren Termin mit mir in gemütlicher Runde bei einem fetten Kakao Anton Corbijns Filmbiografie über Ian Curtis anzuschauen. Weiteren Interessierten wird gern auch ein Kakao aufgesetzt (und wehe, er fällt runter!^^)…

Control