Späte Flocken

26. März 2008

Noch einmal schneit sich der Winter in dieser Nacht so richtig aus. Der Boden sträubt sich, das einzusehen, und lässt die Flocken einfach schmelzen. Er steht am Straßenrand und lässt Autofahrer denken, er wolle irgendwohin. Doch er steht nicht ihnen zugewandt, sondern der anderen Straßenseite. Schaut dahin, als wäre da drüben nicht etwa der schnöde Plattenbau, als wäre da eines dieser sich bis zum Horizont erstreckenden brandenburgischen Felder. Durch alles hindurch zu blicken hätte er sich doch abgewöhnt haben müssen. Lässt Lider und Kopf sinken, schaut seitlich zum Alleebaum — es bringt nichts –, in welchem es plötzlich knackt, knallt, kracht, bald herniederbricht: ein Ast, volle Wucht. Scharfer Wind eilt hinterher, schneidet sein Ohr. Autoreifen quietschen, können das Schicksal jedoch nicht abwenden und steuern ihren Überbau direkt ins gerade hinunter krachende Gehölz. Er will ständig gestalten. Das Schöne ist ihm die elementhafte Gestalt in einer großen Struktur. Ihr will er sich widmen, sie zu einem Muster machen, das Wohlbefinden hervorruft. Ein zerbeulter blauer Kleinwagen mit einer Ostberlinerin, die nun flucht auf die Natur und diejenigen, welche dafür von Steuern bezahlt werden, sie regelmäßig zu knechten, und auf diejenigen, die mir-doch-egal vorbeifahren und die am Straßenrand stehen, wie Vieh glotzen, verdirbt ihm nun die Melancholie, wegen welcher er sich doch dort hingestellt.

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