Soziologie der Artefakte I
19. Juli 2008
Wie ein einst hypertechnologisches Artefakt, das vor zehn Jahren noch als Luxusartikel nur für die unverschämten Prahlhänse da war und als gänzlich überflüssig bei anderen, die mensch eigentlich mochte, die das Ding dann aber auf einmal auch hatten, belächelt wurde, wie solch ein Accessoir schließlich unverzichtbares Werkzeug des Alltags wird, macht sich mir seit einer Woche bemerkbar.
Vor einer Woche kam nämlich nicht nur meine Geldbörse, sondern auch mein Mobiltelefon abhanden. Anfangs dachte ich mir die Sache noch positiv gewendet mit „Ach, hab ich mal ein bisschen mehr Ruhe…“ — Im Laufe dieser Woche stand ich aber doch des Öfteren vor solch problematischen Situationen:
- Ich will jemanden anrufen und denke mir, kann ich ja gleich anrufen, Nummer hab’ ich ja im Handy — Kannste nicht! Und dass die Nummer im Handy steht, ist ja genau das Problem!!
- Früher nutzte ich mein Handy gern als zusätzlichen Wecker. Nun gut, muss eben der richtige Wecker für mein Aufstehen sorgen. — Tut er aber nicht, da mein Körper vollends auf das Bimmeln dieses verfluchten Mobiltelefons eingestellt ist!!
- Unterwegs auf dem Fahrrad – gezwungenermaßen, da das Semesterticket für die Bahn ebenso weg ist wie alles andere in meinem Portmonnaie – suche ich aufgeregt nach öffentlichen Uhren. »Out of time« zu sein, ist auf einmal gar nicht mehr so cool, wenn man so unbemerkt von der Handyzeit abhängig geworden ist oder vielmehr meint, es zu sein. So oft jedenfalls benötige ich sonst nie die Uhrzeit während einer Radfahrt…
25. Juli 2008 at 10:03
ja, hase, wat machste denn nu? willst du jetzt anderthalb jahre warten, bis du dein neues kriegst?
und was ist mit der kiezpolizei?