Der U Bahnhof Fehrbelliner Platz ist nicht gerade dafür bekannt, überirdisch besucht zu werden, nein hier steigt mensch eigentlich nur um und das schön unterirdisch von einer U-Bahn in die nächste. Auf halber Treppe saß dort neulich ein Mann mit einer Quetschkommode und dudelte Bachs Toccata & Fuge in D-Moll (bwv 565). Ich hörte es schon auf dem unteren Bahnsteig, noch bevor ich die Treppe bestieg, war er schon mittendrin und spielte sich ins Delirium, als ich plötzlich einen Sopran hörte, der harmonisch zu jedem Takt eine opernreife „Laaaaaa“-Note trällerte. Sollte sich hier etwa nach und nach auf halber Treppe ein Orchester mit Chor einrichten?

Nein! Eine kaum auffällige kleine Frau, vielleicht Anfang 50,  mit mittellangen durchgrauten Haaren kam eilig die obere Treppe hinunter gestolpert, ihr Gesicht strahlte vor Rührung über das Musikstück und in ihrer Hand hielt sie den Dank für diese Freude in Form von Kleingeld, welches sie, am Akkordeonspieler angekommen, fröhlich in dessen Schale warf und wieder zurückeilte. Mit jedem Meter ein „Laaaaaaaa“ mit ihrer hellen Stimme über die Köpfe der Umsteigenden, über das Geklapper der Schuhe auf den Treppenstufen hinweg begleitete ihr Gesang sowohl das Akkordeon als auch meine aufkommende gute Laune.

Vielen Dank!

2 Responses to “Verschönerungen des Alltags I – Singend umsteigen”

  1. polma Says:

    wow! was für eine faszinierende animation! und statt bach zu entzaubern, kann ich jetzt kaum glauben, dass dieses stück überhaupt spielbar ist. oder wird das ohnehin zu zweit gespielt? das ist ja wahnsinn!

    ach ja, und quetschkommode ist ein wunderschönes wort!


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