Nur mal vorweg:
Bin ich eigentlich der einzige, dem der vor zwei Monaten begonnene expansionistische Dahlback-Imperialismus auffällt??
Der ehemalige DDR-Betrieb kann leider nicht auf eine hundertjährige Geschichte zurückweisen und mit der Assoziation an Mühlen, Mühlensteine, berstende Mehlsäcke, Steinöfen oder Teigknete-Hände punkten. Deshalb färbt er die realsozialistischen Brötchenbildchen, aufgenommen in der gekachelten (nein! weder romantische Feldsteine noch Fachwerk!!) Betriebshalle, sepia.
Meine Erfahrungen: Die B.F.V.s sind desorientiert im eigenen Laden und desinteressiert am eigenen Kunden. Die bei Jung und Alt beliebte Schrippe kostet ein kleines Vermögen (vorm Bäcker besser noch mal zur Bank gehen!) und muss angesichts der harten Kruste eigentlich geschält werden. Aus dem Innenleben lässt sich vielleicht mit viel Fantasie und Fleißbereitschaft ein Hefeklobs* bereiten, aber garantiert kein fluffiges Frühstückserlebnis!
Bleiben noch die auf der Internetseite angegebenen Auszeichnungen von der DLG-Mafia. — Auf jeder Party gewiss d e r Brüller!
Naja ich will mich mal nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und die halbe Welt schlecht machen, denn schließlich ist die ganze Welt schlecht und damit ja wohl auch Dahlback.
*)Das ß soll nach meiner ganz persönlich Rechtschreibreform künftig immer mit bs umschrieben werden!
Mediaspree adé!
9. Juli 2008

Meine geliebten Friedrichshain-Kreubergerinnen: Für (spätestens – weil ja schon die ganze Woche über gewählt werden kann) Sonntag den Text unten lesen und entsprechend abstimmen. Ich stimme mit JA-JA-A! Und wenn ihr meine Blogfreunde seid, macht ihrs mir nach! :)
VORSICHT FÄLSCHUNG!
Auffällige Argumente der politischen Parteien
Es ist „Wahlkampf“ und es wird viel geschrieben und verteilt. In dieser Mitteilung sind ein paar Beispiele relativ unseriöser Argumentationen der Bezirksparteien zusammengestellt und kommentiert.
***
GRÜNE: Die Grünen benutzen mittlerweile den Namen des Bürgerbegehrens (Spreeufer für alle) für ihre Zwecke und behaupten, ihn früher schon erfunden zu haben. Der Begriff Mediaspree wird nicht mehr verwendet.
• Wir sehen darin ein Mittel um die Menschen im Bezirk vor der Abstimmung zusätzlich zu
verwirren. Dazu trägt die Vermeidung des Begriffes Mediaspree bei.
GRÜNE: Die Grünen behaupten, ihr Vorschlag (zusammen mit der Linken) wäre fast identisch mit
den Forderungen des Bürgerbegehrens: gegen Hochhäuser, keine neuen Autobrücken, Uferpromenade mit Grünflächen.
• Typisch Mogelpackung: Die gesamte Hochhausplanung in Friedrichshain bleibt unangetastet, nur an der Elsenbrücke entfällt ein ohnehin irrwitziges Hochhaus. Und auf der Kreuzberger Seite sind ohnehin keine Hochhäuser geplant. Die Manteffelbrücke soll für den Busverkehr gebaut werden, also als Straßenbrücke und – es ist nur eine Frage der Zeit – Autobrücke. Der Uferwanderweg heißt jetzt Promenade, weil wir den Grünen dazu geraten haben – klingt besser, ist aber immer noch nur bis zu 10 Meter breit.
GRÜNE: Statt maximal sollen jetzt schon „mindestens“ 164,7 Mio. Euro hingeblättert werden. Uns wird unterstellt, Millionen-Entschädigungen für Privatinvestoren und auf der anderen Seite harte soziale Einschnitte und Kürzungen zu wollen.
• 164,7 Mio. Euro ist die theoretische Summe, wenn man die gesamten Spreeufer aufkaufen
und die Hochhäuser voll ersetzen würde. Doch es geht dem Bürgerbegehren nur um elf
Grundstücke am Spreeufer und eine Diskussion um Baumassen, die sowieso niemand
mehr bauen will. Eine Begünstigung von Privaten zu Lasten des Bezirkshaushalts entspricht nicht unseren Intentionen, im Gegenteil: viele der Initiatoren des Bürgerbegehrens
setzen sich schon seit langem gegen Sozialabbau und Kürzungswahn ein.
DIE LINKE: Unserer Initiative soll es vor allem darum gehen, den Bestand der gegenwärtigen Zwischennutzer zu sichern. Die Angebote der Strandbars und Clubs an der Spree seien ausschließlich für betuchte Menschen mit dem nötigen Kleingeld für Cocktails und Partys da.
• Die Initiative hat sich immer gegen den Vorwurf gewehrt, nur der verlängerte Arm der Gastronomie zu sein. Das Bürgerbegehren zielt auf eine Stadtentwicklung für alle ab und bezieht sich auf die gesamten Spreeufer. Zudem ist es falsch, alle Projekte als Edeletablissements einzuordnen. An der Spree herrscht derzeit eine Mischung von Projekten und Zielgruppen, die einen hohen kulturellen Wert über die Bezirksgrenzen hinaus erlangt hat. Diese Zwischennutzungen sollten behutsam in die öffentlichen Spreeufer integriert und nicht
einfach beseitigt werden, wie es die Planungen vorsehen. Mediaspree bedeutet Hochpreispolitik an der Spree und eine Verdrängung der Öffentlichkeit, nicht die derzeitigen Projekte.
DIE LINKE: Eine Mehrheit für das Bürgerbegehren würde bis zu 164,7 Mio. Euro kosten und die Planungen um viele Jahre zurückwerfen. Möglicherweise würde sogar der Uferwanderweg verschwinden und tausende Arbeitsplätze.
• Pure Angstmache: Der Bürgerentscheid hat einen starken Einfluss auf zukünftige Planungen und bezirkliche Entscheidungen wie bei der Manteuffelbrücke. Wo z.B. Baugenehmigungen vorliegen (in zwei Fällen) muss nicht schadensersatzpflichtig gehandelt werden.
Bei allen Streitfällen gilt: der Bezirk bekommt durch das Bürgerbegehren einen guten Grund, die Diskussion mit den Eigentümern neu aufzunehmen. Und viele Eigentümer sind mittlerweile „Opfer“ ihrer eigenen Gewinnspekulation und bereit für Veränderungen. Denn nur eine qualitätvolle Reduzierung der Bauabsichten ermöglicht überhaupt eine Entwicklung angesichts mangelnden Bedarfs an Büroraum. Und nur Entwicklung bringt Arbeitsplätze, nicht das jahrzehntelange Warten auf Großbaustellen.
CDU: Der Bürgerentscheid kostet dem Bezirk „mehrere hundert Millionen Euro“.
• In Sachen Panikmache ist die CDU nicht zu überbieten. Oder bietet jemand mehr?
Initiativkrei Mediaspree Versenken! www.ms-versenken.org
UPDATE! VIDEO! Kuck:
UPDATE #2:
http://abriss-berlin.de/blog/2008/07/09/kein-platz-mehr-fur-sie-und-frau-nachbarin/
Flipper in der Kaffeetasse
7. Juli 2008
Wenn Du in eine enge, tiefe Kaffeetasse aus Keramik Deine Fit-getränkte Schwammhand steckst, dann kann es Dir passieren, dass die kreisförmigen Abwaschbewegungen das urige Geschnatter des Lalelu-Lieblingsdelfins unserer heiteren Kindertage hervor kitzeln – auch wenn diese ab-waschechte Reinkarnation von den in der Küche sitzenden Skeptiker_innen gern verhöhnt wird!
Schwarzrotgold IV
25. Juni 2008
Schwarzrotgold III
23. Juni 2008
Lesetipp der Monsters of Göttingen zum Thema:
„Die Sozialwissenschaftler Klaus Ahlheim und Bodo Heger machen es sich nicht so einfach. In ihrer jüngst als Taschenbuch veröffentlichten Studie „Nation und Exklusion. Der Stolz der Deutschen und seine Nebenwirkungen“ gehen sie dem Zusammenhang von Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit sowie Antisemitismus auf die Spur. Ihr Fazit: „den immer wieder postulierten, während des WM-Sommerfestes 2006 mantraartig beschworenen, harmlosen Nationalstolz gibt es so nicht. Die Betonung des Nationalen, die Überbetonung zumal, ist vielmehr ohne Exklusion, den Ausschluss der Anderen und ohne den Ausschluss auch der unbequemen deutschen Vergangenheit nicht zu haben.“
Sch_ei_nbürgerungstest
21. Juni 2008
1
Mein Pfand, Dein Kant!
Rheinland, Weinbrand, Mainland,
Keinland — Kleintand!
Feinsand, ein Strand
Weinland, Steinhand, Leinwand,
Dein Stand, Dein Schland,
Reinband: Dein Land
Peinland! Wein’-Land!
…schei–n Land
2
Ein Rand?
Einwand!
Irrung! Irrung!
Einwand, Einwand
Erung, Erung.
Schwarzrotgold II
17. Juni 2008
Eigentlich ist das Ekligste daran, dass es einfach keinen einzigen Artikel gibt, der auch nur halbwegs ironisch mit EM oder mit Deutschland umgeht. Ich meine, es ist doch irgendwie unheimlich, dass die Lächerlichkeit dieser übereuphorischen Identifikationsaufforderung und deren Symbolisierung kaum jemanden auffällt oder gar stört. Es darf noch so bescheuert aussehen, es gibt nicht mal eine ästhetische Grenze. Eine mögliche Begründung mag wohl darin liegen, dass Sportfan-Sein an sich schon mit den merkwürdigsten ganzheitlichen Ausschmückungen des Körpers auf die Vereinsidentifikation hin einhergeht und als ‘normal’ angenommen wird. Eine kritischere Aufmerksamkeit für die diesmalige Identifikation gelingt deshalb nicht, weil der spielerische Aspekt von den meisten wohl als der primäre angesehen wird…
Schwarzrotgold — alles nur ein Spiel?
11. Juni 2008
Im Folgenden ein paar Gedanken, die ich gern mal sortieren wollte.
Als ich noch ein kleiner verblendeter Lausbub’ war, hatte ich einen Fahnenfetisch… Am Ersten Mai bin ich immer mit strahlenden Augen durch unser kleines DDR-Städtchen spaziert, denn alle 50 Meter war ein Fahnenmast aufgestellt. Abwechselnd rot und schwarz-rot-gold mit wunderschönen Ährenkranz und Hammer und Zirkel wehten und leuchteten sie geschmeidig im Frühlingswind und machten die Straßen so farbig, so bunt.
Das ist nun schon ein Weilchen her und die zynische pubertäre Erkenntnis siegte über das infantile Gefühl, das mich ein paar Grundschuljahre zuvor noch beim Anblick eines solchen Banners überwältigte. Schließlich war es auch eine neue Einstellung im Gehirn. Ein neues Tuning, das auf die politischen Implikationen von Geschmacks- und Werturteilen zielte.
2006, etliche Jahre später, gibt es diese Seite: http://www.die-fahne-bleibt-dran.de/index.php?id=1
und diese Seite: http://www.du-bist-deutschland.de
Die Forderung zur Identifikation mit Deutschland, welche nicht nur zum Arbeiten für Deutschland, nein ganz unverblümt auch zum „Gebähren für Deutschland“ führen soll, wirkt in postindustriellen, postnationalen und erst recht postnazistischen Zeiten befremdlich auf das (einigermaßen kritische) Individuum, gar lächerlich. Daher müssen solche Kampagnen gut verpackt sein — daher werden sie aber andererseits auch so zahlreich im Internet persifliert.
Die Nation in der fortschreitenden nicht nur räumlichen Expansion des Kapitalismus braucht das nationalistische Bewusstsein ihrer Bürger_innen mehr denn je. Muss ihm auf die Sprünge helfen, wenn die Opferbereitschaft nachzulassen droht. Rassismus und Nationalismus sind die zwei Seiten einer Münze, auch wenn das die Akteur_innen der o.g. Kampagnen gerne anders sähen. Rassismus ist also ein hausgebackener Kuchen, der auch stets nachgebacken wird, nur die zu braunen, schon verkohlten Ränder muss man hin und wieder abschneiden, damit der Kuchen noch „schön“ und begehrlich aussieht für die Gäste. (Auch im NS gab es groß angelegte Säuberungsaktionen in den eigenen Reihen, Stichwort „Röhm-Putsch“)
Das Muster Schwarz-Rot-Gold übernimmt hierbei erst einmal ganz banal die Funktion eines Signifikanten, der dem Individuum die Möglichkeit gibt, anderen zu signalisieren, welcher Gruppe dasselbe zuzuordnen sei.
Da das Muster gestaltlos und nichts mehr als Farbe und ihre Anordnung im Raum, aber keine „räumliche Form“ darstellt, ist seine Anwendbarkeit auf Artefakte beinah sämtlicher Art gegeben — sei es Schnürsenkel, Schminke, Hosenträger, Kleidung, Armbänder, Frisuren. Vorausgesetzt natürlich, die Anwendung findet unter Farben-Sehenden statt.
Und diese unzähligen Möglichkeiten nehmen die eifrigen Nationalbürger_innen auch ordentlich wahr. Fast könnte man dem Treiben einen Hauch Individualismus abgewinnen, so kreativ scheinen die Deutschen in ihrem Bemühen, eine möglichst originelle Applikation der Nationalfarben an ihrem Körper zu tragen. Ihr Körper, der getrimmt wird, ‘flexibel’, gebährfreudig, gehorsam, aber eben auch ‘besonders’ zu sein. Die Arbeitskraft muss sich, wie alle anderen bei gleichem Gebrauchswert konkurrierenden Waren auch, über ihr Design, ihre Verpackung auf dem Markt anpreisen.
Bleibt noch die Frage, warum sich alle so draufstürzen. Dass sie Deutsche sind, wissen sie doch nach einem Blick in ihren Ausweis und die Signalfunktion der drei Farben ist eigentlich auch obsolet, wenn man nicht unbedingt von einem peniblen Staatsbürgerbegriff ausgeht… Es ist die völkische Solidarisierung mit der in den europäischen Wettkampf delegierten Sportgruppe. Also alles nur ein Spiel? Ich glaube kaum. Die Deutschen haben endlich wieder ein Symbol, mit dem sie auch als Einzelne der Welt zeigen können, dass sie sich positiv auf die deutsche kollektive Identität beziehen. Und mit dem „Rausch der Spiele“ fiebern sie den Rausch der Nation gleich mit. Was sie lange Zeit griesgrämig meinten nicht zu dürfen, wird durch die spielartige Wettkampfsituation einer WM oder EM nun legitim gemacht.
Menschen mit zuviel Zeit I
8. Juni 2008
